Seit Jahrzehnten gilt der Big Apple als eines der Epizentren für Street Styles, die die Welt erobern. Aus einem Schmelztiegel verschiedenster kultureller Einflüsse entstehen Marken wie PONY - schon vom Name her ein echtes ?Product of New York?. 1972 von Roberto Muller gegründet stieg das Label innerhalb weniger Jahre zu einem der weltweit führenden Sportartikelhersteller auf und stattete verschiedene Spitzenathleten aus. Als Bestandteil der aufstrebenden Hip Hop-Kultur festigt PONY schließlich seinen Status als Streetwear-Legende der Achtziger, der dank Retrotrends heute wieder auflebt.

AUF DEN SPUREN VON ROBERTO MULLER

Die Verbindung zum Sport entsteht bei Firmengründer Roberto Muller selbst schon früh. In Montevideo geboren träumt er als kleiner Junge davon, für die Nationalmannschaft von Uruguay Fußball zu spielen und ist in der Jugend für seinen Heimatclub Atlético Peñarol aktiv. Statt Profi zu werden, wird er allerdings von seinem Vater nach Europa geschickt, damit der junge Roberto eine vernünftige Ausbildung genießt. An der University of Leeds in England macht er seinen Abschluss in Chemie- und Textiltechnik und kehrt anschließend nach Südamerika zurück.

Hier wird ein Headhunter von Levi's auf Muller aufmerksam, der den damals gerade einmal 26-jährigen zum Präsident von Levi Strauss Lateinamerika macht. Eine unglaubliche Gelegenheit für eine der populärsten Firmen der Welt, die Muller selbst folgendermaßen beschreibt:  ''Damals in den Sechzigerjahren, als Coke das Getränk der Welt war, war Levi's der Traum.''

THINK BIG

Von dieser Strahlkraft lässt sich Muller allerdings nicht ablenken und geht sogleich mit jenem Ehrgeiz ans Werk, die PONY später zu Welterfolg verhelfen sollte. Bei Levi's lanciert er den ersten Sneaker der Marke, der sich gleich millionenfach verkauft. Außerdem ist Muller fest davon überzeugt, dass der Einfluss von Sportbekleidung auf das Freizeitsegment die nächste große Revolution in der Modewelt darstellt.

1971 drängt er deshalb bei Levi's auf die Eröffnung einer Sportswear-Sparte - was freundlich abgelehnt wird. Stattdessen bietet das Unternehmen an, ihn bei der Etablierung einer eigenen Marke mit diesem Fokus am amerikanischen Markt zu unterstützen. Der Grundstein für PONY ist gelegt.

ALLES FÜR DAS TEAM

Mit der Hilfe von überzeugten Investoren lässt Roberto Muller seine Vision Anfang der Siebzigerjahre Realität werden. PONY setzt bei seinen Performance-Sneakers für verschiedene Sportarten von Anfang an auf Innovation und Entwicklung, was die Schuhe schnell zu begehrten Ausrüstungsgegenständen macht. Außerdem erkennt die New Yorker Marke schon damals das riesige Potenzial sogenannter Endorsement-Deals.


Während die Athleten von Sportartikelherstellern bisher in der Regel lächerlich geringe Bezahlungen ? und allenfalls ein kostenloses Paar Sneakers - erhielten, stattet PONY seine Sportler mit lukrativen Ausrüsterverträgen aus. Einer der ersten dieser Partner war Pelé, der 1976 in einem Paar PONY-Fußballschuhen sein 1245. Tor schoss. Um diesen Rekord gebührend zu feiern, wurde die brasilianische Stürmerlegende anschließend sogar mit einer goldenen Nachbildung des Schuhs ausgezeichnet. Weitere PONY-Athleten sind der Schwergewichtsboxer Larry Holmes sowie ab 1979 der NBA-Spieler und spätere Hall of Famer David Thompson.


Durch eine Mischung aus geschicktem Marketing und überzeugenden Produkten steigt PONY damals zur zweitmeist verbreiteten Sportmarke der Welt auf, während die Sneakers unvergessliche Highlights der Sportgeschichte begleiten. Nicht nur absolute Stars glänzen dabei in Schuhwerk von PONY, sondern gerade auch Underdogs, die nicht immer im Zentrum des Scheinwerferlichts stehen. 1986 trägt beispielsweise der Basketballspieler Spud Webb ein Paar City Wings, als er - mit nur 1,70 Meter Körpergröße - den NBA Slam Dunk Contest gewinnt.

FÜR DIE KULTUR

Mit Beginn der Achtzigerjahre wird PONY zum festen Bestandteil einer Bewegung, die ihren Ursprung ebenfalls in New York City hat. Die Hip Hop-Kultur wird zur Ausdrucksform für Millionen Jugendliche - und mit ihrem lässigen Style gehören PONY-Sneakers zu den beliebtesten Sneakers für DJs, B-Boys, MCs und Graffiti-Writer. 1986 trägt Hip Hop-Pionier Grandmaster Flash den Slam Dunk sogar auf dem Cover seines Albums ''Main Source''.

Legendär sind auch TV-Spots aus dieser Ära, die nicht nur den Zeitgeist der Achtziger einfangen, sondern PONY als essentiellen Bestandteil einer Welt zwischen Breakdance, Basketball und grellen Neonlichtern zeigen.

INS NEUE MILLENIUM

Während PONY im folgenden Jahrzehnt zur weltweit beliebten Lifestyle-Marke wird und dabei über Subkultur-Grenzen hinweg großen Anklang findet, verändert sich hinter den Kulissen einiges. 1986 verkauft Firmengründer Roberto Muller seine Anteile und Horst Dassler - der Sohn von Adi Dassler - übernimmt PONY.

Bis ins Jahr 2015 folgen noch fünf weitere Übernahmen durch unterschiedliche Investoren. Im Laufe der Zeit schwindet die einstige Vormachtstellung der Marke im Performance-Bereich, während die Lifestyle-Sparte an Bedeutung gewinnt. Dabei veröffentlicht PONY auch eigen Sneaker-Kollaborationen wie den ''Doggy Biscuitz'', die in Zusammenarbeit mit Snoop Dogg entstanden.

BACK TO THE ROOTS

Beflügelt durch das Aufkommen von Retrotrends besinnt sich PONY mittlerweile jedoch wieder auf die prägenden Jahrzehnte der Unternehmensgeschichte und bringt zeitlose Stile zurück. Mit dem 22-jährigen Rapper Joey Bada$$ wurde im Jahr 2017 ein echter New Yorker als Creative Director verpflichtet, der - gewollt oder nicht - einige Gemeinsamkeiten mit Roberto Muller teilt.

Wie der PONY-Gründer genießt der New Yorker schon in jungen Jahren das Vertrauen, eine gestandene Marke mit kreativen Impulsen in die richtigen Bahnen zu lenken. Die Rückkehr von Klassikern wie Topstar, Racer, Aurora und City Wings beweisen, dass PONYs legendäre Sneaker auch mehrere Dekaden später nichts von ihrer Coolness eingebüßt haben.