Robust, reißfest, schmutzresistent und kühlend: Leinen, die älteste Naturfaser der Welt, wussten schon die alten Ägypter vor 5000 Jahren zu schätzen. Die aus der Flachspflanze gewonnene Faser besitzt hervorragende Eigenschaften von denen nicht nur die Mode-Welt profitiert. Denn neben luftig-leichten Leinen-Hemden- und Hosen ist das Einsatzgebiet des legendären Stoffes beeindruckend vielseitig.

 

Wo Leinen überall eingesetzt wird bzw. wurde:

 

FÜR DIE 1. UNTERWÄSCHE 

Eine erste frühe Form der Unterhose entstand erst, als der Mensch (nach Adam & Eva) begann auch etwas darüber zu tragen. Im alten Ägypten trugen Männer höherer Stände 2 Leinen-Schürzen übereinander als Unterwäsche, um sich von der niederen Schicht abzuheben. Bis zum 19. Jhdt. wurde Unterwäsche fast ausschließlich aus weißem Leinen gefertigt und "Weißware" genannt. Leinen war damals gut waschbar, reißfest und weich zu tragen. Leinen-Wäsche galt früher auch als Statussymbol, da sie aufwendig gebleicht werden musste bis sie rein weiß ist und weil man, um sie wechseln zu können genug von ihr besitzen musste.

 

ZUR MUMIFIZIERUNG 


Für die alten Ägypter war ein Weiterleben ohne den Körper unmöglich, deshalb haben sie die Körper nach dem Tod mumifiziert. Um diese möglichst gut zu erhalten, wurden sie mit in Harz getränkten (teilweise 100 Meter langen) Leinen-Bandagen umwickelt. Verwendet wurden dafür ausgediente Haushalts- und Bekleidungstextilien, die in Streifen gerissen wurden. Warum Leinen? Durch ihre antibakterielle Wirkung sollten sie die Körper vor der Verwesung schützen und zudem in Form halten.

 

FÜR LEINWÄNDE 

 Ob Pablo Picasso, Rembrandt oder Andy Warhol: Neben Hanf und Baumwolle ist vor allem Leinen der Stoff für die (Öl und Acryl-)Malerei. Leinwände, aus dem gleichnamigen Stoff, sind flexibler und halten höhere Belastungen aus. Große Bilder sind deshalb meist aus Leinen gefertigt. Ist das Naturfaser-Gewebe erst auf dem Holzrahmen aufgespannt, wird es mit einer speziellen Leimlösung bzw. weiteren Zutaten behandelt. Das sorgt für Stabilität und Spannkraft.

 

ALS SEGELTUCH 

Da Leinen besonders reißfest und stabil ist, wurden bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg Leinengewebe für Segeltücher eingesetzt. Auch wenn Leinen leicht ist, wurde es später durch Polyester oder Nylon ersetzt. Die beiden Synthetik-Fasern sind deutlich leichter, womit sich schnellere Geschwindigkeiten erreichen lassen. Außerdem sind Kunst-Fasern dauerhafter und vor allem günstiger. Übrigens: Die legendäre "America", eine amerik. Schoneryacht, gewann mit ihrem Leinen-Segel 1851 den erstmals ausgetragen "One Hundred Sovereigns Cup".

 

FÜR KÄSE 

 Tatsächlich eignen sich zum Aufbewahren von Hart-Käse, wie Parmesan oder Pecorino, Leinen-Säckchen ideal. Da Käse ein lebendiges Naturprodukt ist, muss er auch "atmen" und reifen können. Hierfür braucht er ein möglichst konstant feucht-kühles Klima, wo er sein Aroma behält. Leinen ist deshalb perfekt, da die Naturfaser besonders atmungsaktiv ist.

Übrigens: Das Einsatzgebiet von Leinen ist schier unendlich. So wird es z. B. auch für Bettlaken, Geschirrtücher, Schuhe, Taschen, Leinöl, Seile, Buchbände und die Pferdehaltung (Stroh) verwendet.