Sneakers werden aus unterschiedlichsten Materialien hergestellt, aber Leder ist nach wie vor das beliebteste. Die Gründe dafür liegen auf der Hand - beziehungsweise am Fuß. Leder ist robust und beständig, außerdem schützt es vor schlechtem Wetter, kann durch Perforierung aber ebenso atmungsaktiv sein. Allerdings ist Leder nicht gleich Leder. Das Material kommt in verschiedensten Ausprägungen, die allesamt unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. Und genau die wollen wir heute mal näher unter die Lupe nehmen.



Glattleder

 

Im Englischen wird glattes Leder gerne auch als "Premium Leather" oder "Smooth Leather" bezeichnet. Klar, die weiche, ebene Oberflächenbeschaffenheit mit leichtem Glanz sieht ja auch - je nach Qualität - ziemlich edel aus. Das Aussehen kommt daher, dass die Tierhäute für Glattleder narbenseitig verarbeitet werden, also mit der Narbenseite nach außen.

 

Das Glattleder wird in der Regel nach dem Gerb- und Färbeprozess mit einer zusätzlichen Farbpigmentschicht überzogen. Diese schützt das Material vor Flecken und Schmutz, womit es absolut alltagstauglich ist. Zwar gibt es dazu auch ein unbehandeltes, naturbelassenes Gegenstück - das sogenannte Anilinleder. Allerdings wirst du diese exklusive Variante bei handelsüblichen Sneakers eher nicht finden, da Rein-Anilin sehr anfällig für Verschmutzungen und Gebrauchsspuren ist. Glattleder kann nachträglich geprägt werden, um bestimmte Oberflächenstrukturen anzunehmen.


Vollnarbenleder

 

Als Vollnarbenleder werden alle Häute bezeichnet, bei denen die Narbenseite vollständig erhalten bleibt. Da die gesamte Oberfläche nicht abgeschliffen oder bearbeitet wird, eignen sich nur Ausgangsmaterialien ohne vorherige Beschädigungen für die Herstellung von Vollnarbenleder. Auf Englisch wird diese Variante "Full Grain Leather" genannt - eine Bezeichnung, die viele Hersteller auch im deutschen Sprachraum übernehmen.


Nappaleder


Der Begriff "Nappaleder" hat sich bei vielen Menschen als Synonym für besonders edles, hochwertiges Material eingeprägt. Allerdings gibt es keine feste Definition des Begriffs, so dass er in erster Linie als Marketinginstrument dient. Das ursprüngliche Nappaleder wurde 1875 in Napa, Kalifornien vom Deutschen Emanuel Manasse erfunden, der damals für die Sawyer Tanning Company arbeitete.



Rauleder


Rauleder sind - wie der Name unschwer erkennen lässt - das Gegenstück zum Glattleder. Als Oberbegriff werden damit alle Lederarbeiten bezeichnet, die entweder auf der Narben- oder Fleischseite angeschliffen werden und dadurch eine raue Oberflächenstruktur bekommen. Je nach Herstellung entstehen hier verschiedene Rauleder-Unterarten, die alle ihre ganz spezifischen Eigenschaften haben.


Nubuk


Für Nubukleder wird die Narbenseite der Tierhaut angeraut, damit eine feine, samtartige Oberfläche entsteht. Besonders bekannt ist das Material durch die Verwendung für Winterboots - der beige Klassiker von Timberland ist beispielsweise aus Nubuk. Durch das Aufrauen ist das Leder atmungsaktiv, während eine anschließende Imprägnierung für Wasserfestigkeit sorgt. Die Kombination dieser beiden Eigenschaften sorgt dafür, dass Nubuk besonders gut für Outdoor-Schuhe geeignet ist.


Velours


Der Herstellungsprozess von Veloursleder oder auch Suede ähnelt dem von Nubuk. Allerdings wird hier zunächst die Narbenseite abgespalten und die verbliebene Fleischschicht angeschliffen. Dadurch erhält das Material seine charakteristische Beschaffenheit, die sich durch die faserig-weiche Oberfläche auszeichnet. Veloursleder ist sehr atmungsaktiv, allerdings zeigt es sich auch besonders anfällig für Wasser und Schmutz. Wenn der Wetterbericht Regen voraussagt, solltest du deine Suede-Sneakers also lieber im Schuhschrank lassen.



Rekonstruiertes Leder

 

In der Lederverarbeitung entstehen durch Zuschnitte, Spaltvorgänge und sonstige Bearbeitungen Reste, die für eine Wiederverwertung in Frage kommen. Rekonstruiertes oder gebundenes Leder besteht aus diesen Lederresten, welche mit einer geprägten Schicht aus Latex oder Polyurethan zusammengeklebt werden. Diese gebundenen Leder lassen sich durch Veredelungen wie Prägungen zwar vielfältig bearbeiten. Allerdings ist die Qualität im Vergleich zu vollwertigen Narbenlederarten eher minderwertig.



Exotische Leder


Sportartikelhersteller veröffentlichen hin und wieder Special Editions ihrer Sneakers im Snakeskin-, Ostrich- oder Kroko-Look. Die Wahrheit ist - und da musst du jetzt ganz stark sein: Diese Schuhe sind nicht wirklich aus Schlangen-, Straußen-, oder Krokodilleder. Was vermutlich auch besser so ist, denn die Häute von bedrohte Tierarten sollten natürlich nicht für die Massenproduktion von Sneakers herhalten.


Stattdessen handelt es sich hierbei in der Regel um geschliffenes Leder von Tieren wie Rindern, Schafen, Ziegen oder Schweinen. Das Grundmaterial wird auch als "Corrected Grain" - also "korrigierte Narbe" - oder "Schleifnappa" bezeichnet. Die charakteristische Oberflächenstruktur wird anschließend nach Glättung der Häute aufgeprägt und soll so den Anschein exotischer Lederarten erwecken.




Übrigens: Wie du deine Ledersneakers am besten pflegst, erfährst du in unserem Sneaker-Putz-Guide!